10

Gefahrenabwehr durch bessere Kommunikation, Civic Tech und Transparenz

Desinformationen zielen darauf ab, Gesellschaften zu spalten. Zur Beurteilung und für die Gefahrenabwehr sollten Regierungen und Behörden frühzeitig wissen, welche Desinformationen verbreitet werden, um rechtzeitig mit passenden Antworten auf die verbreiteten Narrative reagieren zu können. Ein Monitoring, das sowohl von Expertinnen und Experten innerhalb der Behörden, als auch als Dienstleistung von Faktencheckern sowie unter Mitwirkung von Sicherheitsbehörden betrieben wird, ermöglicht, dass Desinformationen schnell widerlegt werden können und nicht die Massen erreicht. Zudem sollten in den einzelnen Behörden sogenannte Rapid-Repsonse-Teams in den Kommunikationsabteilungen angesiedelt werden, die schnell und geschickt auf aufkommende Desinformationen reagieren können. Taiwan zeigt beispielhaft, dass schnelle Reaktionen dazu führen, dass die Verbreitung einer Desinformation deutlich geringer ist. Richtigstellungen von behördlicher Seite dürfen dabei keinesfalls als Ersatz für kritische journalistische Berichterstattung gesehen werden.

Unabhängige Civic-Tech-Anwendungen sollten finanziell unterstützt und deren Einsatz gefördert werden. Zum Beispiel Chatbots oder andere Kanäle, über die Menschen mögliche Desinformationen unkompliziert einsenden können, um sie von Faktencheckern überprüfen zu lassen. Die eingereichten und geprüften Desinformationen können auch mit Social-Media-Plattformen ausgetauscht werden, um die Reichweite der Inhalte drosseln zu lassen.

Regierungen und Behörden haben die Verantwortung, verständlich zu kommunizieren. Dazu gehört nicht nur argumentativ und transparent darzulegen, warum Entscheidungen getroffen wurden und was man mit ihnen bezwecken will. Es gehört ebenso dazu, auf den Kanälen zu kommunizieren, die die Bevölkerung maßgeblich nutzt. Gleichzeitig müssen Formate gefunden werden, die zu den Kanälen und Zielgruppen passen und Prozesse der Kommunikation innerhalb von Behörden zeitgemäß angepasst werden. Ganz allgemein muss Regierungshandeln besser erklärt, Hintergründe erläutert und vormalige Fehleinschätzungen als solche benannt und die Änderung der Regierungsposition begründet werden. Nur so bleibt möglichst wenig Raum für das Entstehen von Desinformationen und Verschwörungserzählungen. Dies gilt insbesondere in Krisen und unwägbaren Situationen, wie während einer Pandemie.